Praxis 2010

Felix Tretbier suchte wegen seiner Kreuzschmerzen das ISO 9010 Disease Management zertifizierte Kompetenzzentrum der Bonetrading GmbH & Ko KG des Dr. Haxenbruch auf. Am Empfang wurde er von kundenorientierten Damen des Front Office mit im Leitbild des QM Handbuchs fixierten Lächeln begrüßt. Die rotkarierten Schirmmützen und die peppigen Sweatshirts atmeten die Corporate Identity der Praxis.

Nach Einlesen seines subkutan implantierten Speicherchips war schnell die online Verbindung zum Koordinierungsarzt hergestellt, der nach Abbuchen der Direktinanpruchnahmeabgabe den Zugriff auf das Identkonto von Herrn Tretbier freigab.

Das automatische Case Management Erkennungsprogramm des Kompetenzzentrums konnte damit schnell feststellen, dass er zu den Fällen gehörte, die in der Portfolio-Analyse der Praxis im Wachstumsbereich angesiedelt waren und bei dem die Praxis im oberen Drittel der Benchmarkgruppe angesiedelt war und deshalb die Honorierung außerhalb der budgetierten Gesamtvergütung anfallen würde.

Damit konnte Herr Tretbier in die VIP Lounge der Praxis vordringen. Inzwischen ergab die digitale, automatische File-Evaluierung der mittels HLa5-Schnittstelle im PIS der interdisziplinären Serverstation eingegangenen Befunde als Output den Clinical Pathway, der den weiteren Workflow steuern sollte. Im Assessment Center konnte sich Herr Tretbier interaktiv über den vorgesehenen Eingriff informieren und mittels digitaler Signatur sein Einverständnis erklären, das mittels Intranet an den Controller des MDK weitergeleitet wurde.

Nach evidenzbasierter Evaluation der Standard operating Procedure und Kostenfreigabe der HWG, der Health Winner Group (Früher AOK) erfolgte dann im Treatment Center die prozessoptimierte, auf hausinternen delphiprozesskonform konsentierten Leitlinien basierte Behandlung. Dieser, im Sinne von best practice minimalökonomische chiropraktische Eingriff mit anschließender Verlegung auf die intermediate Care Unit verlief dank des prozessoptimierten Facility Managements ohne Störungen.

Leider stellte der ambulante DRG-Encoder fest, dass die CW x Baserate trotz CCL-up-coding-Versuchs unter sektoralen Budgetbedingungen zu keiner Kostendeckung führen konnte. Unter Balanced Scorecard Betrachtung ein klassischer Fall für das Risk-Management.

Das daraufhin individualisiert entwickelte best supportiv care führte zu einer Weiterbetreuung im Low-Cost Bereich der Praxis, wo sich Herr Tretbier nach Eingabe seiner PIN das Rezept auf dem Information deck selbst ausdrucken lassen konnte. Mit dem an die Wand montierten Help Yourself Vibrator konnte er seine Myogelosen etwas auflockern und so das notwendige Selbstmanagement beisteuern.

Kurz nachdem er nach Hause gekommen war, erhielt er einen Anruf der Outpatient Service Line des Medical Lobby Trusts (Früher KVB). Im Rahmen von TQM durfte sich Herr Tretbier an der von Gesundheitsminister Lauterbach im UGKSG (ultimatives Gesundheitskostensenkungsgesetz) vorgeschriebenen Qualitätswoche als special guest einbringen.

Kreuzweh hat Felix Tretbier zwar immer noch, aber er ignoriert die wöchentlich eingehenden DMP Motivationsletter der HWG. Er hat noch alte ABC Pflaster gefunden.

mit freundlicher Genehmigung von A. Hellmann