Rede auf der Kundgebung vom 15. Mai 2002 in Berlin
von Dr. Ulrich Wasserfall,
niedergelassener Chirurg aus Salzgitter

Arme deutsche Kassenpatienten!

Für Ihre hohen Beiträge zur GKV bekommen Sie immer weniger Leistungen, wohingegen die Politiker unsere Demokratie zum Selbstbedienungsladen für ihre eigenen Einkommen gemacht haben!

Mein Name ist Wasserfall wie NIAGARA. Ich entbiete Berlin die besten Grüße aus Niedersachsen: uns geht’s fast so schlecht wie Ihnen.

Ich bin ein Chirurg: Chirurgen sind bekannt für rasche Entscheidungen, die auf Grund guter Kenntnisse gefällt werden und schnelle Schritte dort, wo es am besten helfen kann.

Arme "Leistungserbringer" im Gesundheitswesen!

Eure hippokratische Ethik, auch Helfer-Syndrom genannt, wird von den Politikern und ihren Helfershelfern in Krankenkassen und KVen, in denen Spitzenverdiener den Ton angeben, schamlos ausgebeutet.

So haben wir "Vertragsärzte" ehemals rein stationäre Behandlungen zum Wohle unserer Patienten ambulant ermöglicht wie: Ambulantes Operieren, Dialyse, Herzkatheter und Krebsbehandlung, OHNE dass dafür nur eine müde Mark oder ein TEURO mehr aus dem stationären Sektor in den ambulanten Breich geflossen wäre!

Dafür haben Fachärzte Milliarden aus eigener Tasche aufgebracht!

Trotz dieser Entlastung des stationären Bereichs sind die Kosten für Krankenhausbehandlung in 7 Jahren von 40 auf über 100 Milliarden DM gestiegen, unsere fachärztlichen Honorare aber auf 50% gefallen.

GELD muß der LEISTUNG folgen, lesen Sie auf unseren Transparenten. Wir wollen den EURO für unsere gute Leistung und keine Inflationspunkte!

Es steht auch so seit 1. Januar 2000 im Gesetz. Aber passiert ist bisher:

Richtig, NICHTS!!!

Im Gegenteil: 1/3 Ihrer horrenden Kassenbeiträge, liebe Patienten, wird Jahr für Jahr zum Fenster hinausgeworfen. Das waren im Jahr 2001 über 90 Milliarden DM.

Deutschland hat doppelt so viele Akutbetten in den Krankenhäusern wie unsere Nachbarn. Sind wir Deutschen doppelt so krank wie Engländer oder Franzosen?

Für leerstehende Betten sind alleine jedes Jahr etwa 15 Milliarden DM verschleudert worden. Die Staatsanwaltschaft müßte gegen Kassen und Gesundheitspolitiker wegen Veruntreuung Ihrer Beiträge vorgehen!

Die rheinische Frohnatur Ulla Schmidt, was unsere Gesundheitsministerin ist, weiß das: ich habe es ihr ja geschrieben!

Auch wie Ihre Beiträge, liebe Patienten sinnvoll eingesetzt werden könnten. Aber die Lächlerin hat doch gar nicht vor, im ambulanten Bereich, wo 90% aller Behandlungen erfolgen, wirklich etwas zu verbessern!

Im Gegenteil: eine Minimalbehandlung sollten die armen GKV-Patienten in 2003/4 in Polikliniken a lá Ex-DDR erhalten, wie der Kanzlerberater Bsirske von der Gewerkschaft ver.di für die SPD verkündet! Eine flächendeckende, wohnortnahe ambulante fachärztliche Versorgung wie bisher gewohnt, soll es mit ROT/GRÜN bald nicht mehr geben, obwohl es wesentlich kostengünstiger ist!

VORSORGE kennt Ulla auch nur im Bereich der weiblichen Brust, weil sie eine Frau ist. Männer und größere Kinder sind beim Thema Vorsorge außen vor!

Dabei, meine liebsten Mitstreiter, wissen wir ja alle: Vorsorge ist besser als teure Reparaturen, wenn eine Krankheit erst ausgebrochen ist.

Wir alle hier wollen unsere Patienten endlich wieder medizinisch sinnvoll kostengünstig versorgen. Aber ohne eine richtige Reform, die diese Ehrenbezeichnung auch verdient, wird es nicht gehen: Alle durch Politiker der letzten 30 Jahre im Gesundheitswesen bewirkten Veränderungen hatten eine schlechtere Versorgung der Versicherten zu immer höheren Beiträgen zur Folge.

Bei uns "Leistungerbringern" gilt das Gleiche: bei gleicher Leistungsmenge und höherer VersorgungsQUALITÄT erhalten wir Fachärzte in Niedersachsen und anderswo heute noch die Hälfte dessen, was wir vor 7 Jahren bekamen: viele Ärzte sind daher pleite, etliche begehen jedes Jahr aus diesem Grunde Selbstmord.

ERST stirbt die PRAXIS, dann SIE als Patienten OHNE IHREN ARZT.

KOSTENERSTATTUNG mit transparenter Rechnung an ALLE Patienten, damit eine sinnvolle und bezahlbare gesundheitliche Versorgung auch in Zukunft flächendeckend und wohnortnah erhalten bleibt.

Die Justizminister in Bund und Ländern waren immer Juristen: es wird Zeit, dass der nächste Gesundheitsminister eigene berufliche Erfahrungen hat, also zum Beispiel selbständiger Arzt oder Apotheker ist.

Wir rufen Sie alle, liebe Patienten, Mitbürger und –innen bundesweit mit dieser Kundgebung hier in Berlin auf: Prüfen Sie die Wahlprogramme der zur Wahl stehenden Parteien genau, insbesondere zur Gesundheitspolitik! Bezüglich der Risiken und Nebenwirkungen befragen Sie bitte Ihren Arzt oder Apotheker, denn nur diese verdienen Ihr Vertrauen!

Gehen sie am 22. September zur Bundestagswahl und zeigen Sie dem Kanzler, diesem Genossen der Bosse und seiner Dilettantentruppe die rote Karte! Wählen Sie ein Gesundheitswesen, das Sie nicht mißhandelt, sondern partnerschaftlich versorgen kann, auf dass Sie möglichst lange gesund bleiben.

Ich schließe mit einem Satz von Friedrich Nietzsche:

"Die Gesundheit ist nicht ALLES, aber ohne sie ist alles NICHTS!"

Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit