BKK BVU sorgt für Trouble in BerlinIn Berlin sorgt die BKK VBU (Verkehrsbau Union) zur Zeit für viel Aufruhr und negative Publicity.Die Berliner BKK BVU hat bei der KV Berlin über den BKK Landesverband Anträge auf Einleitung von Disziplinarverfahren gegen einige Vertragsärzte gestellt. Schriftlich hatte die Kasse mitgeteilt, wiederholt hätten verschiedene Vertragsärzte Äußerungen wie "Aldikasse" oder "Billigkasse" mit einer entsprechenden Wertung gegenüber ihren Patienten vorgebracht. Teilweise sei sogar mit Leistungsverweigerung wegen Zugehörigkeit bei der BKK BVU gedroht worden. Deswegen würden bei der Krankenkasse verschiedene Beschwerden von Versicherten vorliegen, weil diese sich ungerecht behandelt oder gar diskriminiert fühlten. Als eine Krankenkasse mit einem Beitragssatz von nur 11,9 Prozent zieht die BKK BVU jede Menge wechselwillige Pflichtversicherte an. Dafür zahlt sie den Vertragsärzten auch die niedrigste Kopfpauschalen aller Kassen für die Behandlung ihrer Versicherten. In 14 Fällen hat die KV Berlin nach Überprüfung den Disziplinarverfahrensantrag der BKK bereits abgelehnt. Die Stellungnahmen etwa ebenso vieler Vertragsärzte liegen bereits vor und werden derzeit noch überprüft. Insgesamt rechnet die KV mit circa 50 Anträgen.
Mehrere Umstände haben den Stein ins Rollen gebracht, teilt die KV Berlin mit: Zu Beginn dieses Jahres wurde in einem KV-Schreiben eine Übersicht der Krankenkassen aufgeführt mit Beitragssatz und Kopfpauschalen veröffentlicht. Sinngemäß kommentiert mit "Die billigste Kasse muss nicht die beste sein". Diese Tabelle legten einige KV-Mitglieder in ihren Wartezimmern aus. Die Vertragsärzte müssten schließlich die Möglichkeit haben, ihre Patienten auch über solche Daten aufzuklären, erläutert die hauptstädtische KV. Etwa zeitgleich seien weitere von Ärzten selbst verfasste "Aufklärungsschreiben" in Umlauf gekommen. Vor allem ein offener Brief hätte die BKK VBU-Mitglieder noch mehr aufgeputscht. In diesem wäre der Zusammenhang zwischen lukrativen niedrigen Beitragssätzen für die Versicherten und extrem niedrigen Kopfpauschalen zu Lasten der gesamten Berliner Vertragsärzteschaft aufgezeichnet gewesen. Bedauerlicherweise sei der offene Brief im Internet gelandet und die ursprüngliche Intention des Verfassers, sich den Inhalt dieses Blattes von allen Kassen erstmal bestätigen zu lassen, verfehlt worden. "Die betroffene BKK hat postwendend reagiert und im Wege einer einstweiligen Verfügung diesen offenen Brief aus dem Verkehr gezogen. Auch gegen die Autoren ähnlicher Schreiben geht die Kasse gerichtlich vor. Zum großen Gegenschlag hat sie ausgeholt, indem sie ihre Versicherten aufputschte und sie zu Beschwerden veranlasste, auf Grund derer sie von uns die Einleitung von Disziplinarverfahren gegen die genannten Ärzte verlangt", so die KV Berlin. Bislang habe dieser Feldzug allerdings nicht gefruchtet, weil sich keinerlei Anhaltspunkte ergeben hätten. Die KV Berlin hat die BKK BVU darüber informiert, dass gegen die bislang geprüften Ärzte nicht disziplinarisch vorgegangen wird, die Kasse bezüglich der abgelehnten Disziplinarverfahren aber noch nicht reagiert. Der vermeintliche Unmut der Vertragsärzte richte sich nicht nur gegen diese BKK, die wegen des "Zankapfels Kopfpauschale" ihre Versicherten mobilisiert habe und die Vertragsärzte zum Sündenbock macht. Eben jene Primärkassenassen mit niedrigen Kopfpauschalen reduzieren den Punktwert und damit die Gesamtvergütung aller Vertragsärzte. Denn je mehr Versicherte zu Kassen mit niedrigen Beitragssätzen bei gleichzeitig geringen Kopfpauschalen wechselten, desto weniger Geld kommt in die Gesamtvergütung. Dort läge das Problem, meint die Berliner ärztliche Selbstverwaltung. Hier müsste der Gesetzgeber handeln, denn selbst wenn die angesprochenen Kassen die Kopfpauschalen erhöhen wollten, sei dazu erstmal eine Gesetzesänderung nötig. Indes hat auch das BMG erkannt, dass die Kassenwechselproblematik eine Entsolidarisierung mit sich bringt und darum das Procedere für die Pflichtversicherten per Gesetz wieder eingeschränkt. mit freundlicher Genehmigung der Autorin aus |